Was die SBB mit der HackZurich-Konferenz am Hut hat

Vermutlich gehört HackZurich gleichzeitig zur bekanntesten wie auch zur unbekanntesten Veranstaltung in der Limmatstadt. Diejenigen, die von Begriffen wie «Augmented Reality» oder einer Zahlenreihe wie «1337» nur Bahnhof verstehen, gehören kaum zur Zielgruppe dieses jährlichen Hackeranlasses. HackZurich ist jedoch sage und schreibe der europaweit grösste Anlass, wo rund 500 Entwickler und technologienahe Unternehmen aus über fünfzig Nationen zusammentreffen, zwanzig Prozent reisen aus der Schweiz an. Zudem referierten auch dieses Jahr im Technopark diverse Redner über Themen wie Wikidata, einer Speicherzentrale für allerlei Daten, oder über künstliche Intelligenz.

    Innert 40 Stunden Lösungen entwickeln

    Das Herzstück von HackZurich sind die sechzehn Workshops, wo die Teilnehmenden ihre Talente konstruktiv einsetzen können. Hinter den «Challenges» stecken namhafte Sponsoren wie die Swisscom, ABB, Microsoft, die Credit Suisse und auch die SBB. Sie bieten alltägliche oder zukünftig relevante Problemstellungen wie Sicherheitslecks bei vernetzter Heimelektronik (Stichwort «Internet of Things»). Die Idee hinter diesem gigantischen «Hack Marathon», oder «Hackathon», ist es, für all diese Probleme eine programmiertechnische Lösung zu finden, welche während einem Wochenende entwickelt werden kann.

      Und so gilt es während vierzig Stunden, konkrete Lösungen zu entwickeln. Je nach persönlichem Interesse formieren sich kleine Teams von nicht mehr als vier Teilnehmenden, die sich jeweils einem Problem annehmen.

      Ohne Unterbruch entwickeln sie von Freitagabend bis Sonntagmorgen um 9 Uhr clevere Lösungen, die auf Smartphones oder im Browser auf einem Desktop-PC funktionieren müssen. Ob es über die  riesigen Mengen an konsumierten Red Bull-Energiedrinks und Pizzen wohl eine Statistik gibt?

        Auch die SBB und ihre Partner bieten an HackZurich zwei Problemstellungen

        Am Freitagabend um 21:30 Uhr, wenn die meisten an den Ausgang denken, beginnt ein Workshop zum Thema «Reisen in der vierten Dimension». Zusammen mit PostAuto Schweiz und den Verkehrsvertrieben Zürich macht die SBB den anwesenden Hackern ihre Problemstellung schmackhaft.

        Ich treffe mich mit Christian Trachsel, Verantwortlicher von Open Data bei der SBB. Er erklärt die Aufgabenstellungen für uns Laien wie folgt: «Grundsätzlich wollen wir Lösungen finden, um das Fahrerlebnis für unsere Passagiere zu verbessern und zu vereinfachen».

        Wir kennen alle die roten Meldungen, die relativ knapp informieren: «Einschränkungen im Bahnverkehr. Zwischen Zürich Oerlikon und Zürich Flughafen ist mit Verspätungen zu rechnen». Für Passagiere bedeutet das verpasste Anschlüsse oder Termine. Und aus Sicht der Verkehrsunternehmen ist es hochkomplex, die Passagiere zeitnah und mit individualisierten Details zu informieren. Christian Trachsel erhofft sich von den Hacker-Teams kreative Umsetzungen, wo bereits vorhandene Datenquellen mit neuartiger Technologie kombiniert werden.

        Der Autor Dimitri Burkhard zusammen mit Christian Trachsel von der SBB und Gerrit Schneider, Produktmanager für digitale Dienstleistungen bei PostAuto Schweiz.

          Gerrit Schneider von PostAuto Schweiz, ergänzt: «Die entwickelten Apps sollen durch einen spielerischen Ansatz den Passagieren helfen, weniger ausgelastete Postautos oder Züge zu finden. Durch einen Anreiz könnten Reisende motiviert werden, abseits der Hauptrouten oder ausserhalb der Stosszeiten zu reisen».

            Die SBB, PostAuto Schweiz und die Verkehrsbetriebe Zürich haben alle ein Interesse an einer pragmatischen Lösung für die täglichen Kapazitätsengpässe auf Schienen und Strassen. Als Ausgangslage legen sie allerlei Daten offen: Sei es der elektronische Taktfahrplan, aktuelle Verkehrsmeldungen, Gleisänderungen oder eine Liste von Sehenswürdigkeiten. Es liegt an der Kreativität der Entwicklerinnen und Entwickler, daraus eine schlaue App zu basteln.

              «Die ausgekorenen Lösungen können kaum eins zu eins implementiert werden», sagt Christian Trachsel abschliessend. «Wir erhoffen uns aber, von der HackZurich Ideen mitzunehmen, welche wir weiterentwickeln können. Oder wer weiss, vielleicht entsteht aus einem Viererteam ja sogar ein Start-up-Unternehmen, das auch nach den vierzig Stunden noch an einer Lösung weitertüftelt…».

              Mehr Informationen zur HackZurich: http://hackzurich.com