7200 Fussballfelder: die grosse grüne Vielfalt entlang der Bahnschienen

Kunterbunt, saftig grün, tief verwurzelt: Die Grünflächen entlang der Bahnschienen sind kleine Naturhotspots. Sie bieten zahlreichen Tieren und Pflanzen einen wertvollen Lebensraum. So zum Beispiel auch seltenen einheimischen Orchideen.

    7200 Fussballfelder: So gross ist die Grünfläche, die die SBB betreut. Genau gesagt, sorgt sie sich um 4500 Hektaren Gehölzflächen wie Waldränder und Wiesen und 2700 Hektaren Böschungen. Diese Grünflächen bieten einer Vielzahl an Tieren und Pflanzenarten einen Lebensraum. Während in Städten Überbauungen und komplexe Verkehrsinfrastruktur immer mehr Platz einnehmen, finden die Tiere und Pflanzen entlang der SBB Bahnanlagen ein Biotop. Sie können sich ungestört bewegen und entfalten, da die SBB Grünflächen keinem landwirtschaftlichen Nutzungsdruck unterstehen. Für Naturschützer sind viele der  vom Schienenverkehr geprägten Grünstreifen deshalb ökologisch äusserst wertvoll und können  als Hotspots der Biodiversität bezeichnet werden.

    Seltene einheimische Orchideen an Bahnböschungen

    Auf jeder Grünfläche der SBB wachsen und gedeihen andere Pflanzenarten. Die Waldränder,  Hecken und Böschungen  sind Kulturlandschaften, die für seltene Pflanzen und zahlreiche Kleintiere, die von ihnen leben, überlebenswichtig sind. Die sogenannten Trocken- und Fromentalwiesen auf den Böschungen sind besonders farbenfroh und werden von Botanikern als wahre pflanzliche Schatzkammern angepriesen. So leben entlang der Bahnböschungen beispielsweise rund zehn einheimische Orchideenarten. Pflanzen also, die man insbesondere im Schweizer Mittelland nur noch selten antrifft. Sie sind deshalb, wie die anderen 65 einheimischen Orchideen, geschützt. Einige der gesamthaft 75 Schweizerischen Orchideenarten sind sogar gefährdet, beispielsweise die wild aussehende Bocksriemenzunge oder die attraktive Bienenragwurz.

    1 | 4 Die wild aussehende Bocksriemenzunge ist eine der rund 75 einheimischen Orchideen.

    Als blinder Passagier in die Schweiz

    Zu den 75 Orchideenarten kommen auch einige wenige Exemplare hinzu, die nicht in der Schweiz heimisch sind. Sie sind vielleicht als blinde Passagiere eingewandert – beispielsweise mit einem Güterzug. Oder sie sind mit dem Wind über die Alpen eingeflogen und fühlen sich – dank dem klimatischen Wandel – vielleicht zunehmend auch in unseren Breitengraden zuhause.  

    Orchideen sind sogenannte Pionierpflanzen. Denn viele Arten können im dichten Bewuchs nicht konkurrieren. Sie lieben den mageren, kalkhaltigen Boden. Die allermeisten Orchideen sind mehrjährig und darauf angewiesen, dass man sie lange stehen lässt. Dass Bahnborde nur einmal jährlich gemäht werden, kommt ihnen also entgegen. Die SBB pflegt die Grünflächen regelmässig fachgerecht, damit das ökologische Gleichgewicht bewahrt wird.  

    1 | 4 Die Orchidee Cypripedium calceolus (Frauenschuh)
    3 | 4 Die Orchidee Ophrys apifera (Bienen-Ragwurz)

    Pflanzen als natürlicher Erosionsschutz und Wasserreiniger

    Die Wasserreinigung und der Erosionsschutz ist für die Umwelt wichtig. Eine übermässige Erosion von Böden wird zum Beispiel durch Überweidung, Abholzung oder zu kurze Brachezeiten verursacht. Dem kann mit intakten Grünflächen entgegengewirkt werden. «In offenen, unversiegelte Flächen kann Meteorwasser natürlich versickern und gelangt so in das Grundwasserreservoir. Das durch die Humusschicht sickernde Wasser wird dabei auf natürliche Weise gereinigt und das Grundwasser nicht verschmutzt», erklärt Max Ruckstuhl von Grün Stadt Zürich. Die Wurzeln von Gehölzen, Gräsern und Kräutern nehmen Wasser auf und tragen zu stabilen Böschungen bei.

    Für den Bahnbetrieb und die Umwelt

    Die SBB bewirtschaftet die Böschungen und Gehölzflächen entlang des Schienennetzes regelmässig. Damit bleiben die Böschungen stabil und die Erosion wird in Schach gehalten werden. Das ist einerseits für einen sicheren und möglichst störungsfreien Bahnverkehr unerlässlich, hilft andererseits aber auch der Natur. Das Zurückschneiden der angrenzenden Gehölze, das regelmässige Mähen der Böschungen und das Entfernen eingewanderter Gewächse fördert die Artenvielfalt der Pflanzen und Tieren. Die gesunde, stabile und artenreiche Grünstruktur trägt zu einem angenehmen Klima bei. Die SBB sorgt sich auch aus diesem Grund um ihre Waldstücke, Böschungen und Wiesen – und freut sich, dass sich ihre pflanzlichen und tierischen «Mitbewohner» wohl fühlen.