Das Zürcher Gleisfeld ist ein Biotop für gefährdete Tiere

Das Gleisfeld rund um den Hauptbahnhof Zürich verbirgt viel mehr, als man zunächst vermutet. Wussten Sie, dass dort unglaublich viele Tiere und Pflanzenarten leben? Sogar solche, die gefährdet sind? Mithilfe von cleveren Ideen schützt die SBB die vielseitige Tier- und Pflanzenwelt.

    Seit jeher unternimmt die SBB viel, um die Natur zwischen und neben den Gleisen zu schützen. So zieht sich das Schienennetz wie ein «grüner Korridor» durch die Schweiz. Zahlreiche Tiere finden einen Unterschlupf, Pflanzen einen passenden Lebensraum. Bei Bauarbeiten hat die SBB das Ziel, dass es den Tieren und Pflanzen nach dem Abschluss der Baumassnahmen mindestens genauso gut geht wie vorher. Ein Beispiel sind die Bauarbeiten rund um das Gleisfeld Zürich. Das Gebiet zwischen dem Hauptbahnhof Zürich und Altstetten ist wegen der Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren ein schützenswerter Lebensraum. Mit zahlreiche Massnahmen schützt die SBB die Lebensräume der Tiere und Pflanzen – und hat dafür von der Stiftung Natur & Wirtschaft das Zertifikat «Naturpark» erhalten. Barbara Huber, Projektleiterin Umwelt, weiss, wie sich SBB um die Tiere und Pflanzen kümmert.

    Barbara Huber, Projektleiterin Umwelt

      Barbara Huber, das Gleisfeld Zürich hat aufgrund der zahlreichen Tier- und Pflanzenarten das Zertifikat «Naturpark» erhalten. Warum fühlen sich Tiere ausgerechnet zwischen den Gleisen und Schnellzügen wohl?

      Das Gleisfeld des Vorbahnhofs Zürich bietet unterschiedliche Lebensräume. Das Gebiet ähnelt einer Flussauenlandschaft. Es hat also höhere und tiefere Wasserführungen. Es wird durch den Bahnbetrieb ständig verändert. Und ohne Bäume gibt es hier nur wenig Schatten, sodass, ähnlich wie an den Jurahängen, Hitze und Trockenheit herrschen. Einige Tierarten, wie die Mauereidechse, fühlen sich hier besonders wohl. Sie nehmen auf den warmen Steinen gerne ein Sonnenbad. Zudem gibt es viele Kies- und Sandflächen sowie Böschungen und Totholz, die Unterschlupfmöglichkeiten für vielerlei Tiere bieten. Die durchrauschenden Züge scheinen die Tierchen hier nicht zu stören.

      Was macht die SBB, damit es den Tieren und Pflanzen trotz Bauarbeiten an den Geleisen gut geht?

      Durch Baumassnahmen am Gleisfeld werden Lebensräume beeinflusst, das ist klar. Wir gleichen dies bei der SBB mit verschiedenen Massnahmen aus. Lebensraum der verloren geht, ersetzen wir bestmöglich und naturnah auf andere Weise. So haben wir bereits viele neue Böschungen und Strukturen für die Tiere angelegt.

      Welche Tiere leben am Gleisfeld? Sind auch gefährdete Tiere dabei, die die SBB besonders schützt?

      Neben Insekten, Vögeln und Füchsen leben auch eine Vielzahl gefährdete Tiere, also solche die auf der roten Liste des Bundesamts für Umwelt stehen, beim Gleisfeld. Die SBB ergreift hier besondere Massnahmen und schützt drei Tiergruppen im Speziellen: die Mauereidechse, die Blauflügelige Sandschrecke und die Wildbienen. Für die Mauereidechse wurden Kies- und Sandstreifen angelegt, über die sich die Eidechsen vernetzen können. Zudem liegen entlang der Gleise Gitterkörbe mit Steinen. Hier können sich die Mauereidechsen sonnen oder zum Überwintern verkriechen. Für die Wildbienen gibt es künstliche Nisthilfen sowie Altholz. Eine weitere seltene Tierart, die im Gleisfeld zuhause ist, ist die Gelbbauchunke. Den kleinen Frosch erkennen Sie am strahlend gelben, mit schwarzen Flecken durchsetzten Bauch. Mithilfe von kleinen Laichgewässern konnte der Bestand dieser Gelbbauchunke nicht nur stabilisiert, sondern sogar vergrössert werden. Die Massnahmen zum Erhalt und Ausbau der Lebensräume zwischen den Gleisen sind also sehr vielfältig.

      Den Tieren scheint es im Gleisfeld gut zu gehen. Wie sieht es mit den Pflanzen aus?

      Ohne Pflanzenvielfalt keine Tiervielfalt. Ein umfangreiches pflanzliches Nahrungsangebot ist für die Tiere im Gleisfeld essenziell. Darum kommen bei uns auch die Pflanzen nicht zu kurz. Durch einen regelmässigen Unterhalt unterstützen wir heimische Pflanzen und stoppen die Ausbreitung von gebietsfremde Pflanzen. Jedes Jahr wird gemäht, Böschungen und Hecken werden gepflegt und zurückgeschnitten. So bestehen nutzbare Vegetationsflächen weiterhin.