SmartSuisse – Spannende Erkenntnisse zur smarten Zukunft der Schweiz

Der Begriff «Smart» ist in aller Munde: Vom «Smart Home» bis zum «Smart TV» scheint unsere Infrastruktur intelligenter und vernetzter zu werden. Aber wer hat schon einmal von einer smarten Ampel, Strassenlampe oder Veloglocke gehört?

    Ja, das Internet der Dinge ist auf dem Vormarsch und macht auch vor den Stadtgrenzen keinen Halt. Spezielle Netzwerke auf ultratiefen Frequenzen können schon heute Bits und Bytes von allerlei Sensoren zurück in einen zentralen Speicher transportieren. So in Dublin, Irland, wo Daten über Luftschadstoffe oder Lärmemissionen erhoben werden. Die waadtländische Stadt Pully hingegen zählt auf Smartphone-Daten, die anonymisiert gesammelt werden, um den Verkehrsfluss sichtbar zu machen.

    Kurz: Dublin und Pully gehören zu Vorreiterinnen in der Digitalisierung von städtischer Infrastruktur – sie können sich getrost «Smart Cities» nennen. Aber lange nicht alle Gemeinden und Städte sind schon so weit, ganz im Gegenteil. Zur Aufklärung über die neusten Entwicklungen und Chancen für öffentliche Verwaltungen fand am 27. April erstmalig ein Strategiekongress für Vertreter von Städten und Gemeinden, Politikerinnen, Vertreter von Bildungsinstituten und für Verkehrs- und Energieunternehmen statt. Die Smart Suisse in Basel wurde von der MCH Group organisiert, und die SBB war Hauptpartnerin. Als SBB Green Class-Blogger durfte ich an diesem breit abgestützten Event mit dabei sein und einen Blick in die Zukunft werfen.

    Digitalisierung: Fehlendes Wissen bei öffentlichen Verwaltungen

    Die Digitalisierung hat einen Gang höher geschaltet und wirbelt die Marktwirtschaft momentan so richtig auf. Traditionelle Schweizer Unternehmen sind gefordert, proaktiv zu denken, technologisch aufzurüsten und auf Trends wie die Sharing Economy aufzuspringen. Ganz so schnell müssen Städte nicht reagieren, aber auch sie müssen zukünftige Entwicklungen früher denn je antizipieren. Nur fehlt ihnen das Wissen und das vernetzte Denken – die Digitalisierung schreitet zu rasant voran.

    Am Beispiel von Dublin lässt sich ableiten, dass es kaum eine einfache Lösung geben wird. Städte müssen rasch eine intelligente Gesamtinfrastruktur erstellen, welche existierende Datenquellen verknüpft und neue Daten einsammelt. Seien es Daten von Verkehrsampeln, Sensoren in Mietvelos oder intelligente Billboards: In der Vision einer «Smart City» sollte alles in einen Topf fliessen, analysiert und optimiert werden. Dies zum Vorteil der Bürger, die im Gegenzug mehr Sicherheit oder weniger Stau geniessen.

    In Verwaltungen herrscht noch zu oft Abteilungsdenken. Zudem haben Anbieter von Smart-Lösungen für die teils langen Vorlaufzeiten von städtischen Projekten kaum Verständnis. Laut Alexandre Bosshard, dem Direktor aus Pully, wirkt seine Stadt dem mit einer kleinen, aber feinen Arbeitsgruppe entgegen. Dadurch, dass Entscheidungsträger von Anfang an involviert sind, können Projekte schneller umgesetzt werden.

    Dublin setzt auf ein Ökosystem an Start-ups, Technologiefirmen und kreativen Bürgern, die an Lösungen für gängige Probleme beteiligt sein wollen. Das Stichwort von Smart Dublin heisst «Co-Creation», also die gegenseitige Mitgestaltung von Lösungsansätzen. Dieser Ansatz hilft der Stadt zugleich, ihre Verantwortung gegenüber den Bürgern wahrzunehmen – sei es in Form von höherer Lebensqualität oder neuen Arbeitsplätzen.

      Die Schweiz als smartes Vorzeigeland

      Laut Dr. Jörg Beckmann, dem Direktor der Mobilitätsakademie in Bern, gibt es nirgends auf der Welt so sichere Autobahnen wie in der Schweiz. Unsere Pöstler sind nachhaltig mit E-Töffli unterwegs, wir sind Bahnweltmeister und Champions in der Anzahl öV-Haltestellen. Fazit: «Die Schweiz ist somit ein geeigneter Testraum für smarte Mobilität, beispielsweise für selbstfahrende Fahrzeuge, die von Privatpersonen benutzt und als neue Form eines öffentlichen, individuellen Verkehrs etabliert werden könnten.»

      Und tatsächlich tasten sich die grössten Betriebe des Landes langsam aber sicher an die Mobilität der Zukunft heran. SBB Green Class, das «all inclusive» Abo für Schiene und Strasse, ist nur ein Beispiel. Die Post in Sitten und ab Sommer auch die SBB in Zug experimentieren mit Smart Shuttles – kleinen Bussen ganz ohne Chauffeur. Diese Entwicklungen zeigen, dass traditionelle Schweizer Grossbetriebe zu vernetzten Mobilitätsdienstleistern werden.

        «Smart Mobility» ist das Stichwort, welchem man an diesem Kongress immer wieder begegnet. Es geht darum, die gesamte Mobilitätskette von Tür zu Tür zu verstehen. Wie dieses Konzept in der Praxis aussehen könnte, erfahre ich am Stand der SBB. Dank einer Virtual Reality-Brille können neugierige Besucher einen Mobilitätsumschlagplatz der Zukunft betrachten. « Bahnhof » wäre zu kurz gegriffen, denn an diesem Hub lädt eine Flotte von selbstfahrenden Shuttles Passagiere ein und aus, S-Bahnen fahren je nach Ansturm öfter oder weniger oft, und Cargo-Züge warten, um die Schienen während verkehrsschwachen Zeiten zu befahren.

          Steigerung der Lebensqualität dank neuen Mobilitätsformen

          Auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wolf in Basel entsteht in den nächsten Jahren ein eigenständiges Stadtquartier samt Mobilitätshub, wo Menschen urban leben und smart arbeiten werden. Die SBB sieht voraus, dass Kunden in Zukunft solche Areale erwarten. Und sie plant die Infrastruktur der Zukunft schon heute. Nur ein Beispiel: Parkplätze werden zu Pick-up und Drop-off Zonen umgestaltet, so dass zukünftig zu Stosszeiten Dutzende selbstfahrende Autos ihre Passagiere am Bahnhof abladen können.

          Städte ausserhalb der Schweiz sind gezwungen, existentiellere Probleme zu lösen. Andreas Meyer, CEO der SBB, ist kürzlich von einer Studienreise aus Singapur zurückgekehrt: «In der Schweiz ist es uns zu wenig bewusst, was in anderen Ländern gerade abgeht. Dort wird gegen Verschmutzung, Überbevölkerung, Verkehrsüberlastung und Sicherheitsprobleme angekämpft. Mittlerweile können wir uns für bessere Luft- und Lebensqualität engagieren.»

          Nach einem Spaziergang entlang der Smart Avenue mit zahlreichen «Smart City»-Lösungen, wie E-Mietvelos oder Strassenlampen mit integrierter Ladestation, treffe ich mich mit der Co-Organisatorin des Events seitens SBB, Anja Riedle. Sie ist positiv überrascht und fasst den heutigen Tag zusammen: «Die erste Austragung der SmartSuisse Konferenz war ein voller Erfolg. Wir hatten ein volles Haus mit Vertretern von 70 Städten und Gemeinden aus allen Sprachregionen der Schweiz. Und wir planen bereits, die SmartSuisse zu einem jährlichen Anlass zu machen und sie auf mehrere Tage auszuweiten.»

            Mehr Informationen: www.sbb.ch/smartcity