Grosse Bühne für einen 90-Tonnen-Riesen

Das Reparaturcenter Zürich-Altstetten besitzt einen neuen Dreh- und Angelpunkt – im wahrsten Sinne des Wortes. Damit ist in der ehemaligen SBB Hauptwerkstätte eine neue Ära angebrochen.

Die Drehverschiebeeinrichtung wird  in ihr neues Zuhause transportiert.
Die Drehverschiebeeinrichtung wird in ihr neues Zuhause transportiert.

    Nicht nur Staatspräsidenten, auch Werkzeuge der SBB geniessen dann und wann eine polizeiliche Begleitung. Vor allem, wenn Länge und Breite so wenig der Norm entsprechen wie bei der neuen Drehverschiebeeinrichtung, welche sich vor ein paar Wochen per Spezialtransport quer durch Zürich ins Reparaturcenter Zürich-Altstetten pflügte. Sie ist knappe 30 Meter lang, 90 Tonnen schwer und hat eine klare Mission: die Lokomotiven und Reisezugwagen einfach und flink auf die Reparaturgleise der Halle oder wieder zurück in den Betrieb zu manövrieren, was die Zahl aufwendiger Rangiermanöver deutlich reduziert. Die Anlage kann sowohl drehen als auch schieben – weltweit ein Novum.

     

    Strassentransport der Drehverschiebeeinrichtung

     

    2 | 5 Das Reparaturcenter Zürich-Altstetten

     

    Up to date und unter Denkmalschutz
    Das gleiche Ziel wie bei der Drehverschiebeein­richtung verfolgt die SBB mit dem ganzen 37-Millionen-Projekt der Redimensionierung der geschichtsträchtigen SBB Hauptwerkstätte: produktiver werden, zusammenrücken und den Instandhaltungsbetrieb fit machen für die nächsten Dekaden. Lange sei wenig Sichtbares passiert, sagt Projektleiter Walter Bucheli. Doch seit Sommer letzten Jahres geht es nun flott: In die Jahre gekommene Reparaturstandplätze sind neuen, multifunktionalen und zeitgemäss ausgerüsteten gewichen. Dank der Drehverschiebevorrichtung liess sich die Gebäudestruktur der denkmalgeschützten Halle erhalten, die Zugreisende bei ihrer Fahrt über die Durchmesserlinie sehen. Mit dieser werden die Reisezugwagen um 90 Grad abge-dreht und so den seit 1908 unverändert situierten Hallengleisen zugeführt. Dach und Gebäudehülle wurden saniert, die Nordfassade komplett neu gestaltet – aus Glas, mit freier Sicht auf Fahrzeuge und Fachspezialisten, welche täglich dafür sorgen, dass die Züge sicher, pünktlich und sauber verkehren. «Die Arbeitsplätze sind moderner geworden, aber auch heller und angenehmer», so Bucheli.

    Umbauen für neue Züge
    In Zürich-Altstetten warten rund 200 Spezialisten, verschiedenste Reisezugwagen, Triebwagen und Lokomotiven sowie Triebzüge bis 100 Meter Länge. Das Reparaturcenter ist nicht der einzige Instandhaltungsstandort, der sich für künftige Aufgaben fit macht: Auch im Werk Olten stehen in Kürze Bauarbeiten für neue Instandhaltungsgleise an, und in Oberwinterthur Pünten wird eifrig an einer neuen Abstell- und Serviceanlage für die neuen Züge der Zürcher S-Bahn gebaut. «Wir müssen die Instandhaltung auf die neuen Trieb- und Gliederzüge ausrichten», fasst Operating-Chef Thomas Brandt zusammen.